August 2014

Vereinsbote - August 2014 - 27. Jahrg. - Nr. 107

Inhaltsverzeichnis:
Bericht vom Landesverbandstag am 18.05.2014
Seit 1.7.2014 wieder WERTBRIEF NATIONAL
www.bl.uk/collections/philatelic
Internetmarke für den Kühlschrank?
Illusionskapitalismus
Es muss nicht immer gleich die Guyana 1 ct sein
Neues von der US-Post und der Schweizer Post
Bericht vom Volksfesteinzug am 21.06.2014
Unbekannte Plattenfehler (64)
Interessante Tauschtage (Auswahl):
Wir gratulieren ...

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Das ist unser Entwurf für den Sonderstempel zu unserem Großtauschtag am 15.2.2015
 

Bericht vom Landesverbandstag am 18.05.2014

Der Landesverbandstag des Landesverbands Bayerischer Philatelistenvereine fand Dank der Bereitschaft von Eberhard Höck, Beirat Niederbayern, in Deggendorf-Natternberg statt. Wer wie ich mit der Bahn anreiste, konnte vom Bahnhof Deggendorf aus einen Spaziergang durch das Donautal 6 km, meist entlang einer Ausfallstraße, von gut eineinhalb Stunden eher weniger genießen, da eine vernünftige Ausschilderung entlang der St 2074 nicht existiert. Um es gleich vorweg zu nehmen, wo der nächste LV-Tag stattfindet, steht wieder in den Sternen. Die Versammlung leitete unser neuer komm. 2. Vorsitzender Hr. Thomas Heckel.

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Die Versammlung begann mit der Begrüßung der Ehrengäste, insbesondere des neuen BDPh-Präsidenten Hr. Uwe Decker, des Stadtrates Hr. Ewald Treml, WAN, den beiden Pressevertreterinnen und auch den Ehrenvorsitzenden Hr. Benno Groß und Hr. Jörg Maier. Eine der ersten Informationen des Berichts des 1. Vorsitzenden Ludwig Gambert war, dass der Bundesvorstand des BDPh das Arbeitsverhältnis mit Herrn Wolfgang Peschel, Referent für Öffentlichkeitsarbeit / Pressesprecher, beendet hat. Auf der Website des BDPh steht dazu, dass die Entscheidung aufgrund der allgemeinen Situation gefallen ist und seine Aufgaben bis auf weiteres von der Geschäftsstelle übernommen werden, wobei auf Sicht nicht mehr alle bisherigen Dienstleitungen und lieb gewonnenen Dinge angeboten werden können. Der knapp formulierte Dank lässt die Gründe erahnen. Hr. Decker sieht die Öffentlichkeitsarbeit in erster Linie und tatsächlich besonders wirksam auf der untersten Ebene, wie gerade in der Einladung der örtlichen Presse durch Hr. Höck zum LV-Tag.

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Neben dem Dank an Hr. Thomas Bauer für die Erstellung der LV aktuell und dem Veranstaltungskalender wies er darauf hin, dass nicht nur über vergangene Ereignisse berichtet werden soll, sondern die Vereine besonders auf künftige Veranstaltungen hinweisen sollen, damit diese auch hinreichend besucht werden. Weitere Berichtsthemen waren die Seminare für Juroren und Thematische Philatelie, der LV-Stand und Exponate Live auf der IBB mit dem Kinderpostamt, betreut von Hr. Wolfgang Ernst, der doppelte Tag der Briefmarke in Strullendorf und mit einer Rang 3-Ausstellung in Ebersberg, die Ausstellung zusammen mit dem VPhA in Würzburg-Lengfeld, das Jurorenseminar gemeinsam mit dem LV Südwest und eine Ausstellung mit dem LV Hessen 2015.

Der neue Teamwettbewerb wird künftig an den Philatelistentagen durchgeführt. Für 2015 und 2017 haben bereits Gotha und Wittenberg als Ausrichter zugestimmt. Jeder Verband stellt einen Verein, der mit fünf Exponaten je zwei Rahmen als Team startet und auch gemeinschaftlich bewertet wird. Nur das Team kann gewinnen und bekommt neben der Summe der Einzelbewertungen noch Boni für z.B. Erstaussteller, Exponatvielfalt, Jugendteilnehmer, etc. Erstaussteller und Anfänger werden für den Wettbewerb und die Umsetzung des Reglements fit gemacht und die Vereinsarbeit durch neue Themen an den Vereinsabenden gestärkt. Durch die Philatelistentage kommt der Wettbewerb in alle Regionen Deutschlands und wird für die Besucher noch interessanter. Der Name ist auch schon gefunden: German-Team-Challenge. Er steht im Trio mit dem Swiss Champion und dem Austria Cup.

Die nächsten interessanten Ausstellungen sind die Alpen-Adria, von unserer Seite bestückt mit 10 Exponaten und 61 Rahmen, die Rang 2/3 Würzburg-Lengfeld, die Rang 3 in Ebersberg 11.-12.10. mit Tag der Briefmarke, die Rang 3 Sept. 2015 in Erlensee/Hanau, die Rang 3 Okt 2015 in Kronach, die Alpen-Adria 2016 im Schloss Schleißheim, die Rang 2 2017 in Ebersberg, die Rang 2 2019 Ansbach. Gerade die Alpen-Adria ist ein Beispiel für gelebte Völkerverständigung.

Das Sorgenkind 'philatelie' hat einige Änderungen bereits erfahren, Ärger bereitet aber noch in den Beiträgen versteckte Werbung.

Die wichtigsten Ziele des LV sind die Öffentlichkeitsarbeit - „Was bieten wir unseren Mitgliedern“ - der Teamwettbewerb, die Jugendarbeit, die Sicherung des bisher Erreichten und die Mitgliederwerbung.

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In der Aussprache wies Beirat Hr. Höck darauf hin, dass für die Jugendarbeit unbedingt über die Änderungen des Jugendschutzgesetzes informiert werden muss, was Hr. RA Übler zusagte.
Schatzmeister Roland Gleißner berichtete, dass die negative Mitgliederentwicklung mit ca. 250 – 300 Abgängen pro Jahr weiter anhält. Die Kasse schloss mit einem geringen Gewinn ab. Die Kassenlage ist auch für 2014, wie dem Haushaltsplan zu entnehmen ist, stabil. Eine Erhöhung ist nicht notwendig. Leider teilte er mit, dass er nächstes Jahr für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung steht.

Die Kassenprüfer beantragten Entlastung des Schatzmeisters und des Vorstands, die einstimmig erteilt wurde. Von 138 Vereinen mit 288 Stimmen waren 66 Vereine mit 80 Stimmen und 94 Stimmen durch Vollmacht anwesend, also nicht einmal die Hälfte der Vereine und diese nur mit 60 % der möglichen Stimmen.

Hr. Uwe Decker stellte als neuer Präsident des BDPh gleich mit „Fakten und Tatsachen“ die wichtigsten Bereiche des BDPh vor: Öffentlichkeitsarbeit, Medien, Ausstellungswesen, Forschung/Literatur – wozu auch die Fälschungsbekämpfung gehört – und Jugend, die sich um 42.000 Mitglieder, Kinder/Jugendliche, Erwachsene, Sammler und Philatelisten, kümmern, national, international und hinsichtlich der Finanzen. Er wies eindringlich auf die Bedeutung der Marke zum „Tag der Briefmarke“ hin, die letztlich der Philatelie zugute kommt. Die Bedeutung muss in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen werden, insbesondere in der Presse, da die Umsätze in den letzten Jahren stark rückläufig sind. Als Musterbeispiel hier die Christkindleszüge mit der Einbeziehung von Handel und Verlagen. Nächstes Projekt ist die Schiffspost Mosel am 25.5.2014. Eine erhebliche Einsparung wird die Einstellung der Jahresgabe 2014 bringen. Die vier themengleichen Markenausgaben „Lindauer Bote“ mit vier taggleichen, länderübergreifenden Veranstaltungen – Lindau, Balzers, Lauterach, Chur – und verschiedenen touristischen Angeboten ist ein weiteres Highlight. Das Ausstellungswesen werden das Exponat online, die Kombination Rang 2/Rag 3-Ausstellung, der BDPh-Teamwettbewerb „German Team Challenge“, das bilaterale Ausstellungswesen, das FEPA Jurorenseminar 2014 in Berlin, weiter voranbringen. Weiter gibt es ein Seminar Fälschungsbekämpfung und die Initiative „Bildung trifft Philatelie“ für Schulen.

Hr. Uwe Decker stellte sich mit diesem Vortrag nicht nur mit seinen rhetorischen Fähigkeiten, einem knappen, gut gegliederten Vortrag und einer dies gut unterstützenden Präsentation recht überzeugend dar. Klar wurde vor allem, dass er die finanzielle Situation des BDPh und den guten Markenamen „BDPh“ in der Öffentlichkeit, wie er es nannte, im Auge halten wird.

Nach kurzer Mittagspause folgte ein Vortrag von Hr. Ficht über die Mitgliederverwaltung mit dem Programm DIVA, das nun auch SEPA-tüchtig ist. Da ich etwas Kenntnis über dieses Programm habe, fand ich den Vortrag für mich durchaus informativ. Kassenprüfer Hr. Herbert Geier rügte einige Unstimmigkeiten, da ein vernünftiger Einstieg in das Programm einen strikten Ablauf der Eingaben zum Aufbau der dahinterstehenden Datenbank erfordert. Ich muss ihm hier Recht geben, einen Einstieg in das Programm DIVA gab dieser Vortrag wahrlich nicht her. So positiv auch die SEPA-taugliche Übermittlung der Daten an die Bankinstitute zum Beitragseinzug dargestellt wurde, so sehr steht es in Konkurrenz zu den von den Banken und Sparkassen angebotenen Programmen, die für die Vereine, die einen Beitragseinzug durchführen, längst in Gebrauch und wohl gepflegt sind. Ich befürchte, dass Hr. Ficht die EDV-Kenntnisse unserer Vereinsvorstände etwas überschätzt, insbesondere, da Hr. Geier auch bemängelt hat, dass das zur Verfügung stehende Handbuch hoffnungslos überaltert ist. Abhilfe wurde zugesagt. Ob die Übermittlung der persönlichen Daten der Mitglieder an den Landesverband per Email heutigen Verschlüsselungsstandards entspricht, konnte ich nicht hinreichend hinterfragen. Dass Sicherungen auf USB-Sticks oder externen Datenträgern empfohlen wird, ist vernünftig. Dass diese dann voll funktionsfähig mit allen Daten an andere Vorstandsmitglieder oder Hilfswillige weitergegeben werden können, um z.B. Serienbriefe zu fertigen, mag zwar komfortabel sein, ist aber höchst bedenklich. Aber Datenschutz ist ja allgemein noch kein großes Thema. Eine lustige Bemerkung habe ich am Rande noch aufgeschnappt: „Die wollen ja nur rausbekommen , ob wir alle Mitglieder auch gemeldet haben!“ Die Post-Snowden-Ära zeigt wohl langsam Wirkung.

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Dann folgten die Ehrungen:

BDPh Bronze:
Wolfhart Höher, PSV Siemens (den Hr. Bauer entgegennahm)
Thomas Höpfner, Beisitzer des BDPh-Vorstands, Fachstellenleiter der Juroren im LV-Bayern
BDPh: Silber:

Christa Gambert
Roland Gleißner, Schatzmeister LV-Bayern

LV:
Günter Blessing, ehem. Beirat Mittelbayern

Bestallungen:
Daniel Debler, Beirat Mittelbayern
Thomas Heckel, komm. 2. Vorsitzender des LV-Bayern

Mitglieder-Wettbewerb:
Würzburg mit 6 Neuzugängen
Passau und Forchheim mit je 4 Neuzugängen

Interessenten für die Ausrichtung des nächsten LV-Tages und dem Tag der Briefmarke fanden sich, man möchte schon sagen selbstverständlich, nicht.

Im persönlichen Gespräch mit Hr. Decker konnte ich einige Punkte ansprechen, die sicher nicht nur für unseren Verein interessant sind:
Wichtiges wäre die Möglichkeit, eine Vereinshaftpflicht über eine Gruppenversicherung abzuschließen zu können, wie sie z.B. der LV Südwest schon seit Jahren anbietet. Hr. Decker zeigte sich erstaunt, dass dies beim LV Bayern nicht existiert.

Vielleicht konnte ich auch die Bedeutung von aktiven Links auf der Seite des BDPh zu Vereins- oder ArGe-Seiten vermitteln, die diese auf Suchmaschinen besser platzieren würden.

Samuel Fleischhacker

Seit 1.7.2014 wieder WERTBRIEF NATIONAL

Ganz überraschend taucht nun wieder der Wertbrief National auf. Am 1.7.2014 fand ich bei meiner Poststelle im Penny-Markt einen Flyer in welchem stand, dass nun beim Wertbrief National bei Verlust für einen Bargeldwert bis max. 100 €, für einen nachgewiesenen Sachwert bis max. 500 € gehaftet wird. Was er kostet, stand nicht drin. Im Flyer „Produkte und Preise auf einen Blick“ steht wenigsten der Preis von + 3,95 € drin.

Einige Tage später erhielt ich auf der Post mit viel Betteln die über 100 Seiten dicke Broschüre „Leistungen und Preise“. Dort steht, dass der Wertbrief National zugelassen ist für Bargeld oder andere Zahlungsmittel bis zu einem Wert von maximal 100 € oder wertvolle Gegenstände der Valorenklasse II bis zu einem Wert von maximal 500 € je Brief. Täglich darf nur ein Brief an ein und denselben Empfänger sowie insgesamt nur fünf Briefe mit solchen Inhalten und der Zusatzleistung Wert vom Absender aufgegeben werden. Er kostet das normale Briefporto zuzüglich 2,15 € für das EINSCHREIBEN, das er gleichzeitig beinhaltet, – beides darf mit Briefmarken frankiert werden – und 1,80 € (WERT NATIONAL), das anderweitig zu begleichen ist. Damit soll ausgeschlossen werden, dass für Dritte ersichtlich wird, dass es sich um einen Wertbrief handelt.

Unter „Wesentliche Änderungen“ liest man weiter: Preisänderungen für INFOPOST (+0,03 € auf alle Preisstufen!), die neue Lösung „Remember Mail“ im Dialogmarketing, Änderungen bei SPERRGUT, NACHNAHME und HÖHERVERSICHERUNG INTERNATIONAL, statt DHL EXPRESS BRIEF und – PAKET nun DHL Express­Easy National, statt DHL EXPRESS PREPAID nun DHL ExpressEasy Prepaid National, statt DHL EXPRESS INTERNATIONAL nun DHL ExpressEasy International, es entfällt NACHNAHME POSTKARTE, WEBSITE CHECK, LETTERNET, PostKIT. Alles Leistungen, über die man nur etwas erfährt wenn es gelingt, die Broschüre „Leistungen und Preise“ zu erhaschen. Meist wird man mit dem Hinweis „nur für den dienstlichen Gebrauch“ abgespeist, außer es kommt eine neue Ausgabe heraus. Dann liegen Sie eine Woche vorher zu Hunderten herum. Natürlich nur die alten.

Und interessant ist sie wirklich. Auf Seite 26 steht Nachnahme National: Nachnahmemarke + 2,40 €, Übermittlungsentgelt + 2,00 € und weiter: „NACHNAHME Sendungen dürfen Sie als Brief oder POSTKARTE versenden, ...“. So erfährt man, was entfallene Leistungen kosten. Vielleicht ein weiterer Grund, die Broschüre „Leistungen und Preise“ nicht gerne auszugeben.

Ist die Webseite der Post aktueller?: „Sendungsart: Die NACHNAHME Brief national darf sowohl für Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefe als auch für Postkarten genutzt werden.“ Die Versandsoftware PostKIT wird selbstverständlich auch noch angeboten.

LETTERNET – mit Hilfe der Post Brieffreunde aus aller Welt online über www.letternet.de unter 31.000 Mitgliedern finden – wurde schon am 16.1.2014 eingestellt mit dem Hinweis auf die Webseite von www.postcrossing.com, wo man Postkarten aus aller Welt bekommen kann. Postcrossing ist ein an Bookcrossing angelehntes Projekt, das ermöglicht, von Postcrossern aus aller Welt Postkarten zu erhalten. Für jede selbst versendete Karte bekommt man von einem anderen Postcrosser eine zurück. Könnte vielleicht Jugendliche begeistern?

Samuel Fleischhacker

www.bl.uk/collections/philatelic

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Die Philatelistische Bibliothek München zu besuchen, kann jeden ernsthaften Sammler nur empfohlen werden. Allen Internetmuffeln sei geraten, auch einmal die legendäre Crawford-Bibliothek in der Philatelistischen Abteilung der British Library als Urlaubsziel zu wählen. Dank der Förderung des British Philatelic Trust kann dies nun auch bald zu Hause am Bildschirm geschehen, denn mikroverfilmt wurden sie schon in den 1990er-Jahren. Ein erster Blick darauf ist schon sehenswert. Aber nur, falls man über den eigenen Tellerrand schauen will.

Samuel Fleischhacker

Internetmarke für den Kühlschrank?

BDPh, APHV, MICHEL und sicher noch andere weisen auf die Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen PORTOKASSE und INTERNET­MARKE der Deutschen Post hin, die am 2.6.2014 geändert wurde:
§ 2 Vertragsschluss und -abwicklung
(3) Erworbene Internetmarken verlieren mit Ablauf des dritten auf den Kauf folgenden Jahres ihre Gültigkeit. Das maßgebliche Kaufdatum (Monat/Jahr) ist auf der Internetmarke abgedruckt. Eine Erstattung des Portos nach Ablauf der Gültigkeit ist ausgeschlossen.

Ursache soll auch die notwendig gewordene Umsetzung einer neuen EU-Verbraucherschutz-Richtlinie in Deutschland sein. Was in dieser steht, ist allerdings nirgends angegeben. Dass sie nach drei Jahren nicht mehr verzehrfähig sei, ist kaum anzuneh­men. Ob sie dann noch klebt, ist schon eher fraglich. Liegt aber dann an den gekauften Etiketten.

Aber keine Angst für uns Sammler! Es ist nicht die MarkeIndividuell gemeint,

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sondern die mit einem von 200 auswählbaren Motiven selbst auf dem heimischen Drucker ausdruckbare Internetmarke:

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In den Erläuterungen unter www.deutschepost.de hat sich aber noch nicht herumge­sprochen, dass 0,55 Ct nicht mehr für einen Brief reichen.

Wer also diese 200 verschiedenen Motive schon im Album hat, kann sie nun auch noch nach Haltbarkeitsdatum sammeln. Tipp: Wer Druckfehler sammelt, sollte seinen alten Drucker aus dem Keller holen.

Samuel Fleischhacker

Illusionskapitalismus

Lars Böttger, bis 30.4.2014 BDPh-Bundesstellenleiter Fälschungsbekämpfung/ Sammlerschutz hat sich im Editorial der 'philatelie' Mai 2014 über merkwürdige Sammlereigenschaft, dem Illusionskapitalismus, ausgelassen. Mit diesem Begriff ist das sich reich Rechnen gemeint.

Zunächst dachte ich an den Witz, in welchem die Erbin die Sammelhinterlassenschaft ihres Mannes seinen Sammlerkollegen vorzeigt. Über hundert Mark hat er jede Woche bei euch gelassen – und das alles soll nichts wert sein. Nun ja, er hat schon jede Woche ein paar Mark für seine Sammlung ausgegeben. Aber sie haben selbst nach seinem Tod zu ihm gehalten und nicht gesagt, dass er immer als erster verschwunden ist, zwei Häuser weiter, zur schönen Lola – mit einem Hunderter.

Nein, hier geht es um den Sammler selbst, der jeden Kaufbeleg sammelt und seitenweise Katalognotierungen aufschreibt um sich selbst und allen anderen recht Unwissenden den Wert seiner Sammlung zu beweisen. 100-mal 1.- € sind nun mal 100 €, auch wenns eine Dauerserie ist. Die eine Farbvariante ist die teuere, selbstverständlich ist das die, die ich habe. Mit Stempel sehr viel wert? Er wird schon echt sein!

Soweit fast noch verständlich, wenn diese Einstellung nicht auch beim Kauf schon zu einem schier grenzenlosen Optimismus führen würde. Warum soll ich bei einem seriösen Händler 350.- € lassen, wenn ich es bei ebay für 35.- € bekomme – ohne obligo vom Dachboden? Hauptsache die Lücke gefüllt und 315.- € gespart. Stellt sich dann heraus, dass das Schnäppchen keineswegs eines war, wird ebay und nicht die eigene Dummheit verteufelt – und der Lückenfüller verbleibt im Album.

Samuel Fleischhacker

Es muss nicht immer gleich die Guyana 1 ct sein

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Ab und zu ist ein Blick ins Internet doch recht interessant:

http://www.sothebys.com/de/auctions/2014/magenta-n09154.html

Sotheby's Auktionsergebnisse

The Unique British Guiana 1856 One-Cent, Black on Magenta Surface-Colored Paper (Stanley Gibbons no.23, Scott no.13).

Initialled EDW, cut octagonally clear of design, April 4 1856 DEMERARA circular datestamp. The Certificate issued by the Royal Philatelic Society in March 2014 records that the stamp is genuine and notes „surface rubbing reduced by over-painting at some time in the past – possibly while the stamp resided in the Ferrari collection.“

For completeness, the Certificate issued by the RPS is set out in full on page 57 in the catalogue for the Lot.

The unique example, unpriced in Gibbons and Scott.

29 x 26 mm (1 5/32 x 1 1/32 in.)

expertization:

The stamp is accompanied by two "Genuine" certificates issued by the Expert Committee of the Royal Philatelic Society, London: Certificate No. 18,796 (17 October 1935), signed by Thomas William Hall, and Certificate No. 217,796 (17 March 2014), signed by Christopher Harman.

The stamp was also examined by Thomas Lera, the Winton S. Blount Research Chair of the Smithsonian National Postal Museum, on 17 April 2014, and several photographs taken by Mr. Lera are reproduced in the catalogue.

17 Juni 2014 | 7:00 PM EDT | New York
Schätzung 10,000,000 — 20,000,000 USD
Los Verkauft 9,480,000 USD
(Hammerpreis mit Käuferprovision)

Das ist übrigens Sotheby's deutsche Seite!

Aber es muss ja nicht immer das absolute Unikat sein.

Die F.A.Z. hat am 2.8.2014 über Luxuswertanlagen berichtet und auf den Knight Frank Luxury Investment Index verwiesen:
 

 

12 Monate

5 Jahre

10 Jahre

Autos
Briefmarken
Münzen
Kunst
Wein
Schmuck
Chinesische Keramik
Uhren
Antike Möbel

28 %
7 %
9 %
6 %
3 %
2 %
3 %
4 %
- 3 %

115 %
60 %
83 %
12 %
3 %
51 %
43 %
33 %
- 15 %

430 %
255 %
225 %
183 %
182 %
146 %
83 %
83 %
- 19 %


Aber nicht zu früh gefreut! Am gleichen Tag hat sie auch über „Die Aktie des erfahrenen [nicht mehr kleinen!] Mannes“ berichtet:

Dieter Michelson, Geschäftsführer des Wiesbadener Auktionshauses Köhler, das im Jahr zwischen 10 und 12 Mio. € Umsatz macht, meint, "Man soll sich gut auskennen und Erfahrung in der Philatelie haben" und sich Zeit nehmen, wenn es um größere Beträge geht. Die Spitzenphilatelie beginnt bei ca. 5000 € pro Marke mit ordentlichen Wertsteigerungen. Besonders beliebt seien Marken aus den deutschen Königreichen. Dafür sei alles nach 1945 uninteressant.

Auch die Provinienz werde immer wichtiger, also wer die Vorbesitzer waren. So führt Soteby's die 11 Vorbesitzer der Guyana 1 ct peinlich genau mit Jahreszahl und Eignervermerken auf, ebenso alle Ausstellungen, die sie gezeigt haben.

Uns zum Trost bleibt, dass es bei allem von Knight Frank genannten natürlich um Oldtimer und Antiquitäten geht, nicht um VW-Käfer, Euromünzen, Aldi-Wein, Ikea-Möbel und Smartwatches.

Es besteht also doch ein Unterschied zwischen Vermögensanlage und Sammelleiden­schaft. Gold brachte übrigens eine Wertsteigerung von 380 %, verlor aber seit Jahres­anfang 30 %. Ähnliches wird auch für die Luxusgüter erwartet, sollten andere Anlagemöglichkeiten wieder interessant werden. Ich bin gespannt, was die Guyana das nächstemal bringt.

Samuel Fleischhacker

Neues von der US-Post und der Schweizer Post

fact-sheet MODERN ART IN AMERIKA,
ohne Frankaturwert-Eindruck

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(red.) Doch: das sind echte und auch frankaturgültige US-Briefmarken auf einem Mar­kenbogen, und derartige gibt es mittlerweile bei der US-Post schon viele. Gezähnt und selbstklebend auf Trägerpapier, welches auf der Rückseite mit entsprechendem Text zu den Gemäldemarken bedruckt ist. Doch zu welchem Textwert? Nicht erwähnt. Also noch einmal die Rückseite genau lesen. Eine kleine Fusszeile hilft weiter.

„For more stamps and collectibles, visit usps.com/stamps"

WO? Ist ja sonnenklar! Natürlich im Internet! Und was steht da zu lesen? Es dauert eine Weile, bis man erst einmal die Posttaxe für den gewöhnlichen Brief gültig in den Staaten entdeckt hat: nämlich ab 1.1. 2014 49 US-Cents! (zuvor 46 Cents). Als Nicht-US-Ami braucht es aber noch mehr, nämlich das richtige Code-Wort, das unter den Marken steht: und das heisst: FOREVER usa!
Warum dieses Procedere? Einfach deshalb, weil das fact sheet bereits 2012 gedruckt wurde, die entsprechende Taxbezeichnung erst später bekannt gegeben wurde: 1.1.14. Also behilft sich die US Post mit dem Zauberwort FOREVER (zu deutsch für immer). Gab es hierzulande auch schon, auf Ganzsachen als „Taxe percé"!

Frage: Wie lange gibt es noch Briefmarken?

(red.) Wer die wiederholte Aussage unseres Präsidenten Werner Züst in Ohren hat, die da lautet: „Die POST bräuchte keine Briefmarken mehr, um ihren Betrieb durchzuführen, aber es sei halt ein lukratives Geschäft mit den Sammlern!" – derjenige bekommt Zweifel, ob es noch lange Briefmarken geben wird. Gleich jetzt zur Beruhigung: JA, es wird noch lange Zeit Briefmarken geben, und zwar aus verschiedenen Gründen. Das mit dem lukrativen Geschäft mag nur einer davon sein.

Wenn man sieht, wie heutzutage Mengen von einst verausgabten Briefmarken mit niedrigen Taxwerten zur Frankatur verwendet werden, bei heutigen Betriebskosten, könnte da Zweifel hegen, ob das einst erfolgreiche Geschäft mit den Sammlern und Spekulanten immer noch zutrifft. Die Post könnte versucht sein, die alten Briefmarkenausgaben für ungültig zu erklären. Doch würde sich da vermutlich politischer Widerstand regen, also lässt sie es wohlweislich bleiben. Das gleiche gilt, wenn die Briefmarkenverwendung abgeschafft würde, und nur noch elektronisch erzeugte Freimacher erlaubt wären. Weite Kreise von Privatpersonen würden wohl laut aufschreien. Auch darum wird keine Postverwaltung es wagen, zu solchen Mitteln greifen zu wollen. Aber es gibt noch weitere Gründe, welche daran zweifeln lassen, ob so bald schon der Postversand von Privatpersonen funktionieren würde, und elektronische Hilfsmittel den alleinigen Ersatz darstellen. Längst nicht alle Leute sind dazu willens.

Wer sammelt schon gerne ATM?

Die doch recht kurze Episode der Automatenmarken ATM (Katalognummern Typ 1-10, 11-20) und FRAMA-Schalterfreistempel ist noch nicht vergessen. Begonnen hat es 1976, die letzte Ausgabe „Schweizer Flaggen" stammt von 2005, seither nichts mehr. Als Begründung für deren Aufgabe wurde erklärt, die Automaten seien sehr störungsanfällig, und überhaupt nicht mehr reparaturfähig bzw. Ersatzteile würden nicht mehr hergestellt, etc. usw. Jetzt ist es vielerorten nicht mehr möglich, ausserhalb der Bürozeit einen Brief oder Karte zu frankieren und in einen noch vorhandenen Briefkasten einzuwerfen. Ein doch fragwürdiges Fortschrittsdenken?

Die breite Sammlerschaft hat diese Briefmarken-unähnlichen Gebilde ohnehin nicht sehr geliebt. Es hat meines Wissens nur ganz wenige unter uns gegeben, die sich der neuen Sammelart angenommen haben. Und als Handelsobjekt oder „Wert"zeichen spielen sie eine sehr untergeordnete Rolle, d.h. keine Nachfrage.

Über die neuesten Errungenschaften mittels elektronisch erzeugter Wertstempel muss man abwarten, wie weit sie allgemeintauglich sind. Erste Ergebnisse sind nicht gerade ermutigend, weil fälschungsleicht, wie man so hört.

Ohne Briefmarken auch kein Sammeln mehr?

Ob die US POST mit ihrem „Forever"-Zudruck mehr Zukunft für die Verwendung von Briefmarken sieht, wird sich weisen. Ein möglicher Weg ist es allemal. Ohne echte Briefmarken ist es überflüssig, weiterhin für das Sammeln zu werben, vor allem bei der Jugend, die schon heute ganz andere Prioritäten setzt, als wir sie je hatten.(ac)

Philatelisten-Verein Rätia Chur Lückenfüller Nr.1 / Febr./Mrz. 2014 / 57.Jahrgang, S. 14
Wir danken dem Philatelisten-Verein Rätia Chur und Herrn Alfred Cerjak für die freundliche Überlassung dieses Artikels.

S. Fleischhacker

Bericht vom Volksfesteinzug am 21.06.2014

Die Teilnahme – sofern man mittlerweile noch von einer Teilnahme reden kann – war wieder einmal geringer als im Vorjahr.

Unbekannte Plattenfehler (64)

Originalmarke:

MICHEL®-Nr. 26 / 33, 10 Pfg. rot

Plattenfehler:

 

Schäden am linken Rand oben

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Interessante Tauschtage (Auswahl):

29.08.-
31.08.2014

Gmunden / Österreich

Philatelistischer Salon im Rang 2 und 3
Briefmarkenbörse, BMSV Gmunden

07.09.2014

Vaterstetten

Briefmarkensammlerverein Vaterstetten e.V.

12.09.-
14.09.2014

Lugano / Schweiz

AlpenAdria-Ausstellung 2014

21.09.2014

München

Ansichtskartenbörse

20.09.2014

Garmisch-Partenkirchen

Briefmarken- und Münzensammler-Club PHILATELIA e.V.,
Garmisch-Partenkirchen

21.09.2014

Simbach am Inn

Philatelisten Club Braunau Simbach
Verein der Briefmarkenfreunde Simbach a. Inn e.V.

04.10.2014

Innsbruck, Österreich

Philatelistenklub Olympisches Dorf Innsbruck

11.-
12.10.2014

Ebersberg

Briefmarkenausstellung im Rang 3, Briefmarken-
sammler-Verein Grafing-Ebersberg e.V.

12.10.2014

Mühldorf am Inn

Briefmarken-Freunde Mühldorf am Inn e.V.

12.10.2014

München

Gemeinschaftsveranstaltung 5 Münchener Vereine

19.10.2014

Kufstein, Österreich

Verein der Briefmarken- Münz- und Ansichtskartensammler Kufstein

23.-
25.10.2014

Sindelfingen

31. Internationale Briefmarken-Börse Sindelfingen

26.10.2014

Moosburg

Briefmarken- und Münzensammlerclub Moosburg e.V.

02.11.2014

Innsbruck, Österreich

Philatelistenklub Merkur, Innsbruck

09.11.2014

Freilassing

Internationaler Briefmarkengroßtauschtag
7 Salzburger Vereine + BMSV Bad Reichenhall

09.11.2014

München

Briefmarken- und Münzsammlerverein Neuperlach e. V.

09.11.2014

Rosenheim

Briefmarkenschau
Philatelistenverein Rosenheim e.V.

09.11.2014

Roth

Briefmarkensammler-Verein Roth und Umgebung e.V.

16.11.2014

Landsberg
am Lech

Briefmarkenverein Landsberg am Lech

16.11.2014

Regensburg

Philatelisten-Vereinigung Regensburg e.V.

Wir gratulieren ...

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Auch wir gratulieren unserem Ehrenvorsitzenden Lothar Hollrieder, der hier vom Philatelisten-Club München e.V. für seine 60-jährige Mitgliedschaft von Vorsitzenden Johannes Dorandt mit einer Urkunde geehrt wird. Hier zeigt sich, dass Philatelisten alter Schule nicht nur für einem Verein tätig sind. Das fördert den Wissensaustausch zwischen den Vereinen ungemein und stützt damit auch die Philatelie im allgemeinen sehr. Leider wird das im Zeitalter moderner Medien viel zuwenig beachtet.

Samuel Fleischhacker