13.05.2012

 
64. Landesverbandstag des
Landesverbands Bayerischer Philatelisten-Vereine e.V.
am 13.05.2012 und
Briefmarkenausstellung im Rang 3 der
ARGE Münchner Briefmarkenvereine e.V.
vom 12. - 13.05.2012
im Ausbildungshotel St. Theresia
Hanebergstr. 8, 80637 München
 

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Die ARGE Münchner Briefmarkenvereine e.V. als Ausrichter des Landesverbandstag fand nicht nur gut ausgestattete Räumlichkeiten für den Landesverbandstag, sondern bot mit einer Briefmarkenausstellung im Rang 3 und dem Team Erlebnis Briefmarken mit zwei Sonderstempel, Erinnerungskuverts und einer MarkeIndividuell ein ansprechendes Rahmenprogramm.

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Geleitet vom 2. Vorsitzenden Erhard Ansorge begann der Landesverbandstag mit Grußworten von Rudolf de Haye für den ausrichtenden Verein, Herbert Kroog, Verantwortlicher im BDPh für das Ausstellungswesen, und Uwe Decker, 2. Vorsitzender des Landesverbandes Südwestdeutscher Briefmarkensammler-Vereine e. V.

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Der Jahresbericht von Ludwig Gambert, 1. Vorsitzender, wurde anfangs als wichtiges Problem die Interessenvertretung der Landesverbände im BDPh ganannt. Als erledigte Ziele wurde berichtet, dass nach einer Kürzung des Etats für das Ausstellungswesen um 67 % zumindest noch Zuschüsse für zwei Rang 3-Ausstellungen pro Jahr und einer Rang 2-Ausstellung alle zwei Jahre, für Werbeschauen, Seminare vorhanden sind. Die Philatelistentage des BDPh sollen nun nicht mehr jährlich abgehalten werden und die ‘philatelie’ neugestaltet werden. Ab 1.6.2012 gibt  es einige Änderungen im Ausstellungswesen. Weiter wurde berichtet über die ALPE-ADRIA und die EUREGIO-EGRENSIS, das Pilotprojekt “Exponate am Bildschirm”, die Umfrage zu Philatelistischen Veranstaltungen, die Veränderung im Vorstand des Jugendrings Bayern, bei der nun Wolfgang Ernst (unser Mitglied) 1. Vorsitzender ist. Den ‘orangen Ordner’ des LV gibt es nun in neuer Fassung auf CD und die Messe Sindelfingen hat einen LV-Stand und einen Besprechungsraum zugesagt.

In Arbeit befindliche Ziele sind der Ausbau der Beziehungen zu den anderen Landesverbänden, die Neugestaltung der Philatelie, die Unterstützung der “Jungen Sammler”, der Internetauftritt, gemeinsame Ausstellungen mit anderen Landesverbänden, z. B. Südwest und VPhA, RollUps zu den Ausstellungsklassen, die Fortführung der Umfrage zu Philatelistischen Veranstaltungen, Seminare.

Die Jugend kann nach erheblichen Kürzungen wohl ihren ‘Jungen Sammler’ nicht mehr herausgeben. Der BDPh ist nicht bereit, sie zu unterstützen. Eine Möglichkeit bleibt, ihr in der LVaktuell Platz einzuräumen. Problematisch wird die mangelnde Einflussmöglichkeit des BDPh auf ihre eigene Verbandszeitschrift ‘philatelie’ gesehen - sie kann in redaktioneller Freiheit in einigen Beiträgen gegen den BDPh opponieren - und deshalb wird gefordert, bei einem neuen Vertrag mit dem Herausgeber hier einiges zu ändern. Kritisiert wird weiterhin, dass nur wenig Einsparungen vom BDPh beabsichtigt sind, während offensichtlich ein Papier kursiert, dass der Beitragsanteil nach 2015 auf 2 Euro pro Monat steigen könnte - dazu kommt natürlich dann noch der LV-Anteil.

Der Kassenbericht von Roland Gleißner war völlig unspektakulär - die letzte Betragserhöhung und die Einsparungen haben bewirkt, dass das Ergebnis okay ist.

IHerr Kroog teilte in seinem Bericht mit, dass von Seiten des BDPh die Verträge mit Herrn Maasen (philatelie) eingesehen werden könnten. Herr Maasen sei jedoch strikt dagegen. Den Inhalt kennen damit zur Zeit nur drei, Herr Hartwig, Herr Adler und Herr Maasen. Der Vertrag läuft Ende 2012 aus. Es wird derzeit geprüft, ob eine Ausschreibung oder zumindest eine beschränkte Ausschreibung erfolgt. Zu einer Unterstützung des ‘Jungen Sammlers’ der Jugend könne er nichts sagen, die Jugend sei in Landesringen organisiert und deshalb sei dies Thema der Landesverbände und nicht des BDPh. Wie die Stiftung zur Förderung der Philatelie und Postgeschichte ihre Mittel verteilt, liege nicht in der Hand des BDPh, da dieser dort nicht mehr die Mehrheit innehat. Die Beitragsanteile für den BDPh seien bis 2015 festgeschrieben, über die kommende Beitragsentwicklung sollen die Mitglieder im Juli 2012 informiert werden. Die Information des BDPh bleibt also wie gewohnt reichlich vage.

Vorstand und Schatzmeister wurden einstimmig - der 2. Vorsitzende mit einer Enthaltung - entlastet. Als 1. Vorsitzender - Herr Ansorge stellte sich nicht zur Wahl - wurde Herr Gambert mit 182 Ja-, 27 Nein- und 33 ungültigen Stimmen wiedergewählt. Als 2. Vorsitzenden wurde Herr Ansorge mit 194 Ja-, 38 Nein- und 12 ungültigen Stimmen wiedergewählt. Als Schatzmeister wurde Herr Gleißner einstimmig mit 5 Enthaltungen wiedergewählt. Ein Ergebnis, zu welchen man dem Vorstand nur gratulieren kann. Herr Geiger und Herr Ritschel wurden wieder einstimmig bei einer Enthaltung als Kassenprüfer gewählt. Der LV-Beitragsanteil bleibt unverändert. Der Haushaltsplan wurde einstimmig gebilligt.
 

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Unter den vom LV Geehrten Adolf Jepertinger - Bronze - und Hans-Georg Schlicht - Silber, und ganz stolz vor seinem mit Silber ausgezeichneten ersten Exponat auf einer Rang 3-Ausstellung unser Kassier Erwin Götzinger.

Für ein Fazit - Alles Wonne und Sonnenschein! - sollte man sich den 12.7.2009 in Erinnerung rufen. Wollte man dort nicht in heimischen Gefilden - in München - weit weg von den Franken nochmals einen nun besser vorbereiteten Versuch starten, den ungeliebten Gambert vom Thron zu stoßen? Nur fand sich kein Kandidat. Es scheint sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass Ehrenämter dummerweise meist mit viel Arbeit verbunden sind und mehr Kritik als Anerkennung finden. Aber welch Wunder, wenige Tage vor der Wahl wurde von einem Kandidaten getuschelt. Ein Revolutionär ohne Mitstreiter und Anhänger steht aber dann schnell als ertappter Selbstmordattentäter recht kleinlaut da. Und wenn alles so geheim ist, dass man sogar noch als Kandidat aufgestellt wird, obwohl man längst eingeknickt ist, dann ist ein Teil der Wähler wütend, dass man opponiert hat, und der andere, dass man feige war. Wie sich das auf die Vorstandarbeit auswirkt, bleibt abzuwarten.

Vergleicht man Uwe Decker, der mit seinem zündenden Grußwort sich als überzeugender Redner und als Streiter für die Philatelie präsentiert hat, mit Ludwig Gambert, der sehr zurückhaltend über seine Tätigkeit berichtet und oft fast penetrant seine Ansichten vertritt und damit nur zu oft ins Fettnäpfchen tritt, ist Kritik an ihm verständlich.

Interessant ist dann, wenn man einen Teilnehmer vom Landesverbandstag Südwest hört, auf welchem Dieter Hartig, Präsident des BDPh, nach dessen Bericht aus dem BDPh von einem Herrn Gambert massiv zur Rede gestellt wurde. Hier treffen Träume großer elitärer Phantasie und Interessen der philatelistischen breiten Masse und realer finanzieller Möglichkeiten, Lichtgestalt Hartig und Missionar Gambert unversöhnlich aufeinander.

Der Kampfplatz Verwaltungsrat sieht in der Satzung des BDPh so aus:

§ 10 Verwaltungsrat

(1) Der Verwaltungsrat repräsentiert die Mitglieder des BDPh.
...
(4) Dem Verwaltungsrat obliegt die Wahrnehmung folgender Grundaufgaben:
(a) Er artikuliert und vertritt die Meinung der Verbandsmitglieder des Bundes zwischen den Hauptversammlungen.
(b) Er fördert den Gedankenaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden.
(c) Er entwickelt Entscheidungsvorlagen, insbesondere für Verbandsangelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung, und führt einen Abgleich der Verhandlungsauffassungen zu Vorlagen und Zustimmungserfordernissen herbei.

(5) Der Verwaltungsrat unterstützt den Bundesvorstand bei seiner Tätigkeit. Ihm obliegt insbesondere:
a) Die Prüfung des Haushaltsplanes.
b) Die Prüfung der Geschäftsberichte des Bundesvorstandes und der Bundesstellen.
c) Die Einsichtnahme in die Rechnungslegung.
d) Die Entscheidung über den Vorschlag zur Entlastung des Bundesvorstandes durch die Hauptversammlung.

Der Verwaltungsrat hat damit - auch wenn das Herr Hartwig möglicherweise anders sieht, die Aufgabe, auf die Tätigkeit des Vorstandes einzuwirken. Machtbefugnisse hat aber nur die Hauptversammlung, die zwar letztlich dem Vorstand auch nicht vorschreiben kann, was er zu tun und lassen hat, ihn aber wählt - oder ganz einfach eben einen anderen Vorstand. Der Bundesvorstand des BDPh besteht übrigens laut Satzung aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten, dem Schatzmeister und bis zu drei weiteren Vorstandsmitgliedern. Einer der beiden weiteren Vorstandsmitgliedern - auch wenn sie nicht satzungsgemäß als Beisitzer bezeichnet werden - ist Herr Kroog. Damit ist für mich völlig unverständlich, dass er sich als Mitglied eines nur “erweiterten Vorstandes” so unwissend gibt. Wenn er den Vertrag mit Herrn Maasen nicht kennt, hat er entweder seine Hausaufgaben nicht gemacht oder will einfach keine Stellung beziehen.

Aus meiner Sicht befindet sich der BDPh auf einem Scheideweg. Alle Vereine müssen ihren Mitgliedern nicht nur dessen Selbstdarstellung vermitteln, sondern den Nutzen einer Mitgliedschaft des Vereins im LV und damit im BDPh. Die Erwartungshaltung der Mitglieder in einer Dienstleistungsgesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Die wenigen, die ehrenamtlich für die Vereine arbeiten, brauchen Anleitung, Unterstützung und auch Aufklärung über Risiken, die sie nicht unbedacht eingehen sollten.

Wünschen wir Ludwig Gambert viel Erfolg für seine Missionstätigkeit. Vielleicht gelingt es ihm doch, neben dem Landesverband Südwestdeutscher Briefmarkensammler-Vereine e. V. und dem Nordwestdeutschen Philatelistenverband Elbe-Weser-Ems e. V. auch den Rest der Mitgliederversammlung für seine Ziele zu gewinnen.

Es gibt auch Positives anzumerken:

Das Pilotprojekt “Exponat am Bildschirm”, die Umfrage zu Philatelistischen Veranstaltungen auch online, der “orange Ordner” als .pdf auf CD zeigen, dass langsam neue Medien Einzug halten.

Ganz neu ist, dass der BDPh sich nun auch auf Facebook präsentiert, nur der Button

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fehlt noch auf der Website.

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existiert schon, allerdings ohne Hinweis, dass damit Daten an Facebook übertragen werden. Dies wird von vielen als kritischer, möglicherweise als strafrechtlich relevanter Verstoß gegen deutsche Datenschutzbestimmungen gesehen.

Bei aller Kritik an Facebook darf nicht übersehen werden, dass dies ein wesentlicher Beitrag ist, jüngere (U50!)-Mitglieder anzusprechen. In unserem Verein haben wir niemanden, der aus der früher existierenden Jugendgruppe im Verein verblieben ist. Von zwei unserer jüngeren Mitglieder sind auch ihre Eltern im Verein. Von 29 Mitgliedern, die im Alter bis zu 40 Jahren in den Verein eingetreten sind, sind nur 4 in den letzten Jahren dazugekommen, über 40 Jahre waren es 10. Ein einziges langjähriges Mitglied ist im Alter unter 20 Jahren (mit 17) eingetreten. Unser Defizit liegt eindeutig - das dürfte auch für andere Vereine gelten - in der Generation Facebook.

Neu nun auch ein Artikel in der philatelie Juni 2012, in welchem zwar nichts von der Zusammenarbeit BDPh und ebay berichtet wird - was positiv ist - sondern ebay mit vergleichbaren Anbietern verglichen wird. Anlass sind Gebührenänderungen bei ebay und dessen baldige Umstellung des Bezahlsystems auf eine treuhandähnliche Abwicklung. Liest man den Artikel kritisch, stellt man schnell fest, dass etwas einseitig berichtet wird. Es ist meines Erachtens nicht fair, wenn zu den ebay-Gebühren auch die persönlich zu entrichtende Umsatzsteuer hinzugerechnet, bei den anderen Plattformen aber nicht. Auch dachte ich bisher, dass gewerbsmäßig anbietende Verkäufer diese entrichten müssten und nicht nur gewerblich angemeldete, was ein wichtiger Unterschied ist. Welche Sicherheit das neue Bezahlsystem für die Käufer bietet und welche Vorteile sich aus der Nutzung von Paypal auf einer global ausgerichteten Plattform bietet, wird ebenfalls nicht angesprochen. Verschwiegen wird auch, welche Gebühren Auktionshäuser mittlerweile - bitte auch inklusive Mehrwertsteuer! - von Einlieferer und Ersteigerer verlangen und ob es dort für gewerbliche Einlieferer auch ein 14-tägiges Rückgaberecht bei Nichtgefallen gibt. Der Vorwurf, dass ebay einen geringen Akzeptanzraum gegenüber Propagandamittel des Dritten Reichs hat und andere Anbieter geeigneter sind ist - unabhängig, welcher politischen Couleur man angehört - kritisch zu sehen. Der ebay-Grundsatz lautet::

Auf dem eBay-Marktplatz gelten selbstverständlich alle einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen. Das sind insbesondere, aber nicht ausschließlich, folgende Verbote des Strafgesetzbuches (StGB).

    § 86 StGB - Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen

    § 86a StGB - Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen

    § 130 StGB - Volksverhetzung

    § 189 StGB - Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener

Hinweis: Es ist das Ziel von eBay Deutschland, zu verhindern, dass den Nationalsozialismus verherrlichende oder verharmlosende Artikel durch kommerzielle Verwertung Eingang in die Alltagskultur finden.

Anstatt fragwürdige Anleitungen zu geben, wie diese Strafvorschriften zu umgehen sind, wäre ein Hinweis auf den eventuellen Strafrahmen hilfreicher oder ein Bericht, wie es einem münchener Besitzer eines Briefmarkengeschäftes hiermit ergangen ist.

S. Fleischhacker