05.05.2013

 
65. Landesverbandstag des
Landesverbands Bayerischer Philatelisten-Vereine e.V.
am 05.05.2013 im
Historischem Rathaus Kronach,
Lucas-Cranach-Str. 19, 96317 Kronach
 

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Der Beginn des 65. LV-Tags war natürlich überschattet vom Gedenken an den verstorbenen 2. Vorsitzenden Gerhard Ansorge. Sein angestammter Platz wurde während der Sitzung, von einer Rose geschmückt, freigehalten.

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Als Gäste waren erschienen der Erste Bürgermeister der Stadt Kronach Hr. Wolfgang Beiergrößlein, zu welchem der Briefmarken-Sammler-Club Kronach e.V. offensichtlich gute Beziehungen pflegt. So konnte uns sein Vorsitzender Klaus Jürgen Bächer im großen prächtigen Saal des Historischen Rathauses begrüßen. Die für den Verband wichtigen Gäste waren der Vorsitzende des Landesverbands Thüringen Hr. Dr. Eckart Bergmann, der zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats des BDPh ist, der Geschäftsführer der Stiftung Philatelie und Postgeschichte Hr. Rüdiger Krenkel und der 2. Vorsitzende des Landesverbands Südwestdeutscher Briefmarkensammler-Vereine Hr. Wolfgang Zimmermann.

Die Veranstaltungsleitung übernahm der Sprecher des LV-Beirats Hr. Dieter Simon. Aus dem bereits vorab verteilen Bericht des 1. Vorsitzenden Hr. Ludwig Gambert ist zusammengefasst zu entnehmen, dass neben seinem Dank für geleistete Arbeit in den Vereinen die Probleme mit dem BDPh weiterhin bestehen. Die Informationen sind vage, meist geheim und werden oft vor Freigabe schon in der philatelie veröffentlicht. Die philatelie stellt darüber hinaus einen hohen Kostenfaktor dar. Die vom LV-Bayern unter Führung von Fachstellenleiter Hr. Thomas Höpfner initiierte digitale Ausstellung wird wie das übrige Ausstellungswesen auch vom BDPh schleppend behandelt, obwohl auch hier enormer Kostendruck besteht.

Der organisatorisch wichtigste Teil einer Mitgliederversammlung, die Entlastung des Vorstands, lief völlig unproblematisch ab. Es konnte sogar 2012 ein Überschuss erzielt werden. Auch der Haushaltsplan 2014 wurde ohne Einwände beschlossen. Trotz 101 Neueintritten war die Mitgliederentwicklung bei 390 Abgängen negativ. Von 140 Vereinen waren 37 Vereine persönlich anwesend, 43 ließen sich vertreten mit insgesamt 201 von 302 Stimmen.

Hr. Dr. Eckart Bergmann berichtete als Vorsitzender des Verwaltungsrats des BDPh, dass der in der Satzung vorgeschriebene 3. Beirat aus Kostengründen weiterhin nicht besetzt wird. Er rief dazu auf, zukünftig mehr zu gestalten als zu verwalten. Das Projekt digitale Ausstellung wirft Probleme auf, die zu lösen seien, darunter die Frage der Originalität und Art, mit welchen Programmen man präsentieren will. Schwierig ist es auf jeden Fall, ein DIN-A4-Ausstellungsblatt im Querformat eines Beamers oder Bildschirms darzustellen. Zu den Vorstandswahlen will sich Hr. Dr. Bergmann zur Wahl stellen. Welche Bewerber sich weiter zur Wahl stellen werden, ist noch offen. Problematisch sei die Frage des Schatzmeisters, die wahrscheinlich nur durch eine Verteilung einiger Tätigkeiten oder weitere Auslagerung an ein Büro zu stemmen sein wird.

Der Geschäftsführer der Stiftung Philatelie und Postgeschichte Hr. Rüdiger Krenkel stellte diese in einem Vortrag vor, den er auch bei der IBB München hielt. Der Vorstand besteht aus Hr. Dieter Hartig, BDPh und Hr. Bartels (für bisher Hr. R. Pranke), Deutsche Post AG. Das Kuratorium besteht aus Hr. Dieter Hartig, Hr. Dr. Heinz Jaeger, Hr. Franz Karl Lindner, Hr. Dr. Eckart Bergmann und Hr. Franz Fischer für den BDPh, Hr. Bartels, Hr. Oliver Brandes und Hr. Lutz Richter für die Deutsche Post AG, Hr. Dr. Andreas Hahn für die Museumsstiftung Post und Philatelie und Fr. Ulrike Bohm, Ministerialrätin, für das Bundesminsterium der Finanzen. Die Geschäftsführung nimmt Hr. Rüdiger Krenkel war.

Die Mittel der Stiftung zur Erfüllung des Stiftungszweckes stammen aus den Erträgen des Stiftungsvermögens, alle zwei Jahre aus den Zuschlags-Erlösen der Marke zum 'Tag der Briefmarke' seit 1966 und zum geringsten Teil aus Spenden und sonstigen Zuwendungen. Wirtschaftlich bedingt sank die Rendite des Stiftungsvermögens von 2007 mit 9,59 % in 2009 auf nur noch 2,15 % und lag 2012 auf 7,44 %. Die Zuschlagserlöse sanken von 1037 TDM in 2001 auf 284 TDM in 2011. Der Zuschuss an den BDPh sank seit 2003 um 46 %. Wichtige geförderte Projekte sind die philatelistischen Bibliotheken und die DphJ. Wichtig für Vereine ist, dass auch Ausstellungen, der Tag der Briefmarke, Sonderstempel etc. aus Mitteln der Stiftung gefördert werden können, wenn sie im Vorhinein beantragt werden.

Wie in unserem Verein abgesprochen, brachte ich unsere Verstimmung gegen einen Vortrag von Herrn Dr. Hans-Karl Penning im Januarheft 2013 der philatelie zum Ausdruck. Wurden die Organisatoren und Juroren von Ausstellungen des BDPh, als auch die Aussteller selbst, als Selbstdarsteller bezeichnet, so wurden auch die Ausstellungen selbst als Motivation für eine Mitgliedschaft bestritten, denn dazu gäbe es einfach zu wenige Aussteller. Niemand frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Beleuchtungsverhältnisse bei den Ausstellungen seien unprofessionell und schaden den Exponaten. Die Zahl der Landesverbände sei zu hoch und müsse verringert werden. Den Ortsvereinen kreidet er an, dass sie im Vergleich zu den Direktmitgliedern nur ein Viertel des Betrages für die philatelie aufwenden. Sind wir also Schmarotzer? Gibt es außer der philatelie, welche die Stiftung im erheblichen Umfang sponsert, keine weiteren Aufwendungen? Sollen wir alle am besten Direktmitglieder werden? Er vergisst wohl: Ohne Vereine kein Landesverband, ohne den lästigen Appendix an Landesverbänden auch kein BDPh. Dass sein Hinweis, dass mit wenigen Ausnahmen die Vereine an Bedeutung verlieren und deren Mitglieder meist unwissend sind, beleidigend sein könnte, erkennt er wohl nicht. Gewiss darf man auch kritische Ansichten seiner Leserschaft zur Kenntnis bringen. Ob man diese, sieht man von zwei zustimmenden Leserbriefen im Folgeheft ab, unkommentiert belassen sollte, zumal es sich ja nicht um den ersten Beitrag dieser Art handelt, halte ich für fragwürdig. So bewirken sie immer Diskussionen im Verein, ob es nicht sinnvoll wäre, LV und BDPh zu verlassen. Bleibt die Frage, ob der BDPH nicht schon längst die Oberhoheit über seine Verbandszeitschrift verloren hat. Oder sieht er in solchen Artikeln schon seinen Beitrag zu einer vernünftigen Mitgliederwerbung, wenn man die philatelie an Tauschtagen auslegt?

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Geehrt wurde Regionalbeirat Hr. Thomas Heckel mit Bronze. Sieger im Mitgliederwettbewerb waren die Briefmarken- und Münzfreunde Lauf und Umgebung. Mit nur drei Gegenstimmen wurde der Antrag, Hr. Gambert soll als Vertreter des LV-Bayern am 12.10.2013 auf der Hauptversammlung des BDPh in Heidenheim gegen eine Erhöhung des Jahresbeitrags stimmen, beschlossen. Hoffen wir, dass die anderen Landesverbände sich dem anschließen. Den 'Tag der Briefmarke' 2014 führt die Briefmarken-Sammler-Gemeinschaft Strullendorf durch, die hierzu einen Zuschuss der Stiftung von 2000,- € erhält. Der LV-Tag 2014 könnte eventuell in Niederbayern (Regen?) stattfinden. Die Briefmarkensammlergemeinschaft Marktbreit führt am 19./20.10.2013 eine Rang-3-Ausstellung durch.
 

Durch die in der Satzung vorgeschriebene sechswöchige Frist zur Aussendung der Tagesordnung und der Wunsch, eine gewisse Frist nicht nur aus Gründen der Pietät, sondern auch zur Abstimmung in den Regionen über Kandidaten zu ermöglichen, wurde eine Nachwahl des 2. Vorsitzenden auf die nächste Mitgliederversammlung verschoben. Ggf. erfolgt eine kommissarische Berufung. Hr. Simon trug vor, dass es wünschenswert wäre, wenn sich ein Nachfolger aus dem südlichen Teil Bayerns finden ließe.

In einem Gespräch nach Ende der Versammlung mit Hr. Gambert, der ja auch Juror ist, meinte dieser zur Frage der Originalität bei digitalen Ausstellungen, dass er auf jeden Fall die zugehörigen Marken und Belege im Original zu sehen wünsche. Zum Kopfschütteln brachte ihn meine Meinung, dass hierfür ja dann ein kleines Einsteckbuch ausreiche, denn die ganzen Texte wären ja im PC oder auch auf CD. Verlagert sich in Zukunft das Ausstellungswesen weg von der Exklusivität gesammelter Objekte hin zu einer eher wissenschaftlich hochwertigen Präsentation von Erkenntnissen über Briefmarken, Belege und Postgeschichte? Entsteht gar eine mit der Wikipedia vergleichbare Wikiphila?

Samuel Fleischhacker