03.03.2016

 
Internationale Briefmarken-Börse
München 2016

vom 03. - 05.03.2016 im
M.O.C., Lilienthalallee 40, 80939 München
 

Vom 3. – 5.3.2016 fand wieder die Internationale Briefmarken-Börse München im M.O.C. statt. Was wurde geboten?

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Den wuchtigsten Auftritt bot wieder die deutsche Post. Lange Schlangen vor den Verkaufsständen zur Erlangung neuester Sammlerschätze gehören schon seit Jahren der Vergangenheit an. Eine Freude war es, von unserem Mitglied Annemarie Buchner die Belege abstempeln zu lassen.

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Für viele interessant auch die ausländischen Postanstalten.

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Ein besondere Freude für uns war, dass die Fünf Münchener Vereine zur IBB das Reinheitsgebots-Motiv unseres Germeringer Stempels von Großtauschtag übernommen habe. Dieses Motiv war – wie schon bei uns – auch hier sehr erfolgreich. Karl Miltenberger hat dazu noch eine personalisierte Marke zum Reinheitsgebot entworfen. Für die Jugend stand der Vorsitzende des Landesjugendringes Bayern, unser Mitglied Wolfgang Ernst, leider nur einer Handvoll Jugendlicher Rede und Antwort. Vielleicht sollten alle unter 70 einfach zu Jugendlichen erklärt werden.

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Auch wenn wie hier abgebildet auch mal für eine Stunde niemand zu sehen war, der Stand des Landesverbands Bayerischer Philatelistenvereine war besetzt und man konnte durchaus Gespräche führen. Den Exponaten „Live“ (dass sie nächstens Exponate „Dead“ heißen ist ein Gerücht) war wenig Publikum beschert, aber Einzelgespräche sind sicher auch informativ.

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Im Gegensatz dazu war der Bund Philatelistischer Prüfer (BPP) nicht nur mit einem Stand vertreten, sondern laut http://forum.bund-forum.de ein Highlight dieser Messe: Herr Christian Geigle, Präsidenten des BPP, hielt im FORUM der Briefmarkenbörse den „Eindrucksvollen Vortrag“: „Folienschäden an Briefmarken – eine philatelistische Katastrophe“.

Eindrucksvoll waren vor allem die am Schluss an einen Teil der Besucher – es waren erheblich mehr gekommen, als erwartet und Platz hatten – verteilten Unterlagen, die sehr anschaulich verdeutlichen, dass hier ein tatsächlich ein riesengroßes Problem für die Briefmarkensammler besteht.

Liegt es tatsächlich an den Folien, so ist es aus rechtlichen Gründen verständlich, dass Herr Geigle gleich zu Anfang betont, dass er von den Zubehöranbietern überzeugt ist, dass diese nur qualitativ hochwertige und sichere Ware anbieten.

Aufgefallen ist mir, dass nun nicht mehr die Weichmacher, sondern die Stabilisatoren in PVC-Folien – weil einige davon schwefelhaltig sind – wohl die Ursache seien. Dummerweise kamen in letzter Zeit gesundheitlich unbedenkliche Weichmacher auf den Markt, die Schwefel enthalten.

Uneinig sind sich Herr Geigle und Herr Feuser, ob aus alten Folien mittlerweise soviel Schadstoffe verflogen sind, dass sie kaum noch gefährlich seien. Herr Feuser rät dringend, sich bei den gefährdeten, weil bleifarbehaltigen alten Marken von alten Folien zu trennen und auf eine möglichst folienfreie Aufbewahrung umzustellen. Einig war man sich, dass das Aufeinanderstapeln von Alben schädlich sei, ein regelmäßiges Lüften von Alben aber gut.

Meine Fragen, ob nicht auch Luftschadstoffe, Feuchtigkeit oder säurehaltiges Papier Ursache sein können, waren sichtlich unerwünscht.

Interessant auch, dass die Frage, wie man denn PVC-Folien von den anderen eher unbedenklichen unterscheiden könne, nicht geklärt werden kann, denn bei den meisten Folien ist deren Art nur auf den Verkaufspackungen, in den Verkaufskatalogen oder in Datenblättern ersichtlich.

Als große neue Erkenntnis blieb eigentlich nur, dass wohl auch neuere Marken geschädigt werden können.

Wie man an der Menge der Zuschauer erkennen konnte, scheint die Folienproblematik nach wie vor ein sehr wichtiges Thema zu sein. Auch die philatelie Februar und März 2016 bringt im Abschnitt „Philatelie und Postgeschichte“ Artikel von Wolfgang Straub zum Thema „Folienproblematik und Farben“ und im März 2016 im BDPh-Teil unter „Zerbels Schatzkästchen“ eine lustige, aber dennoch erschreckende Suche nach Gold und Farbe einer BRD-Marke aus dem Jahr 1990, das sich dann abgelöst in einer Billigfolientasche befand. Wolfgang Maassen bringt im April, Mai und Juni 2016 im BDPh-Teil der philatelie die Artikelreihe „The Day after“ (Der Tag danach) – Folien, Fragen & Antworten, der sich positiv zum Vortrag von Hr. Geigle abhebt.

Was hat sich eigentlich seit 2002 – so alt ist das Folienthema schon, als man sich nach 1971 wieder darauf besann – an neuen Erkenntnissen ergeben? Hat sich der BDPh als Hort der Sammlergemeinde dafür interessiert? Wie haben die Zubehöranbieter reagiert?

Die Zubehöranbieter legen großen Wert auf Hinweise, dass ihre Hart-PVC-Produkte, soweit nicht schon durch Produkte aus Polyester ersetzt, garantiert weichmacher- und säurefrei sind.

Mich stört, dass es in den vergangenen 14 Jahren niemanden interessiert hat, welche Prozesse tatsächlich zu diesen Schäden führen. So bleibt es bei einem einfachen Dafürhalten, das anscheinend der ganzen Welt der Philatelie genügt. Ein prekäres Thema, dem sich unsere Dachverbände ebenfalls verschließen. Möge doch jeder Sammler für sich das Richtige tun. Also liebe Philatelisten, legt euch nur noch auf den Fußboden zum Schlafen, das verhilft zu langem Leben, den offensichtlich sterben die meisten Menschen im Bett. Und das lässt sich doch so einfach und wirksam vermeiden. Sie meinen, dass andere Ursachen ein Rolle spielen würden? Nun, betreiben sie dann doch selbst etwas medizinische Forschung. Der Allgemeinheit kommt das viel zu teuer. Wenn es unbedingt sein muss, könnten wir ja noch Pendeln und Kartenlegen empfehlen. Oder sie stellen auf Futon-Betten um, da die Japaner eine höhere Lebenserwartung haben.

Bleibt nur ein Trost: Falsch dürfte die Ansicht sein, dass Millionenwerte vernichtet werden. Jede teure Marke weniger erhöht den Wert der verbliebenen. Insgesamt bleibt der Wert, etwas umverteilt, sicher erhalten. Warum sollen nicht diejenigen profitieren, die sich für ihre Schätze interessieren?

Was gehört sonst noch zur IBB:

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Es sind die philatelistischen Arbeitsgemeinschaften, hier Tag der Briefmarke und Tschechien, und die Philatelistische Bibliothek München.

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Die „Eisenbahnerphilatelisten“ brachten nicht nur eine Modelleisenbahnanlage – Platz gab es ja genug – mit, sondern auch ihren Stempel „125 Jahre Isartalbahn“. Die passende Erinnerungskarte stiftete die DBZ.

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Sie brachten auch eine Werbeausstellung ganz antiquiert „analog“ mit, die offensichtlich mehr Interesse fand als das moderne Pendant.

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Mit von der Partie die wichtigsten Zubehöranbieter und der Schwaneberger Verlag.

Fazit: Große Unterschiede zum Vorjahr waren nicht erkennbar. Sie scheint sich mittlerweile als schwächste Briefmarken-Messe Deutschlands zu etablieren.

Samuel Fleischhacker